P  R  E  S  S  E   S  T  I  M  M  E  N

 

Westdeutsche Allgemeinen Zeitung

Hommage an Tom Waits: Kleine Dramen über den Alltag

Gelsenkirchen, 26.04.2010, Mario Stork

 

Gelsenkirchen. Er mag nur 134 Zentimeter groß sein, aber welche Bühnenpräsenz und welche Power Rüdiger Frank ausstrahlt, das muss man erlebt haben.

Der Gelsenkirchener Theaterbesuchern von Rollen in „Die Herzogin von Chicago“ oder „Die Dreigroschenoper“ bekannte Schauspieler und Sänger gastierte mit seiner Formation „Romeo Is Bleeding“ im Kleinen Haus des Musiktheaters.Kennern verrät der Bandname schon viel: Das Quartett widmet sich dem Schaffen des großen amerikanischen Songwriters Tom Waits, primär dessen Frühphase.

Rüdiger Frank wirkt wie das perfekte Bühnen-Alter Ego von Waits: Ohne diesen zu kopieren, hat auch Frank dieses gewisse undefinierbare Etwas in der Stimme, etwas Zerrissenes, Kaputtes, Gequältes, das seine Interpretationen dieser Songs so tief unter die Haut gehen lässt. Dass Rüdiger Frank (so wie Tom Waits) auch Schauspieler ist, zahlt sich aus, denn Waits-Songs sind immer auch kleine Dramen, Geschichten von Losern, Träumern und Einzelgängern.

Ob mit „It’s better off with-out a wife“ (Frank: „ein Lied für alle, die schonmal geheiratet haben“), mit „Shiver me timbres“ oder „Rosie“: Es sind die Balladen, die die besonders eindringlichen und nachhallenden Momente dieses Abends schaffen.

Den wichtigen Gegenpol bilden treibende Jazz- und Swingnummern, vom Trio Holger Götz (Piano), Wolfgang Mörike (Bass) und Alexander Sterzel (Drums) kompetent und mitreißend gespielt.

Letzterer steuert auch eine Reihe von eindrucksvollen Eigenkompositionen zum Repertoire bei, die sich neben den Tom Waits-Klassikern mühelos behaupten können. Mit „Miss you“ bringt Sterzel Rüdiger Frank sogar dazu, sein wichtigstes Prinzip zu brechen: „Eigentlich hatte ich mir geschworen, niemals den Satz „I love you“ zu singen. Okay, okay, ich tu’s.“

Wenn bei den Zugaben Tom Waits‘ vielleicht bekannteste (dank Rod Stewarts Cover-Version) Ballade „Tom Traubert’s Blues“ (Waltzing Mathilda) erklingt und Rüdiger Frank und seine Musiker mit Fats Wallers „I’m gonna sit right down and write myself a letter“ noch eins draufsetzen, könnte das Konzert noch stundenlang so weitergehen. Mehr davon!

 

 

Badische Neueste Nachrichten 06.02.2006

Tom Waits ist angekommen
Das etwas andere Konzert im Ettlinger „Birdland 59" begeisterte

Immer mal wieder verlassen die Programmgestalter des Ettlinger Jazzclubs die gewohnten Mainstreampfade und machen ein Angebot aus der Kategorie „Jazzverwandtes". Es spricht aber für das Ettlinger Publikum, dass es auch dann sehr zahlreich erscheint, wenn thematisch nicht die gewohnte Kost auf dem Spielplan steht. So auch am Freitagabend. Den meisten hatte wohl der Name Tom Waits bis dahin nicht viel gesagt - und wenn, dann haben sie die amerikanische Songwriter Legende sicher eher im Rock als im Jazz verortet. Und genau dies ist das Ziel eines Projekts, das der Vokalist Rüdiger Frank und der Schlagzeuger Alexander Sterzel seit 1999 betreiben und das sie nun erstmals im „Birdland 59" vorstellten.

Es war ein Konzert, bei dem man aus dm Staunen nicht herauskam. Denn nach einer hinreißend verschleppten Version des Bluesklassikers „Nighttrain" kletterte Rüdiger Frank auf den Barhocker und sang „Romeo is bleeding"; jene tief schwarze Herzschmerzballade von Tom Waits, die dem Projekt den Namen gegeben hat. Und man fragte sich: Woher nimmt der Zwergwüchsige bloß die Riesenstimme her? Das Rätsel klärte sich im Pausen-gespräch. Rüdiger Frank ist als Opernsänger derzeit in Essen engagiert, was ihn aber nicht daran hindert, gleichzeitig seit Jahren Leadsänger einer Gothic-Rockband zu sein. Und mit einem ironischen Seitenhieb auf seine Mitmusiker und das Programm erklärt er in aller Seelenruhe: „Mit Jazz habe ich nichts am Hut, ich singe nicht für die Schublade, sondern für die Leute da draußen" A|exander Sterzel - dass ein Schlagzeuger sich ans Klavier setzt und komponiert, ist ja nicht alltäglich - nimmt es gelassen. Wie beiden Kollegen Holger Götz (Klavier) und Wolfgang Mörike (Bass, ein Nachfahre des Dichters Eduard Mörike) spielt er ansonsten bevorzugt Oldtime-Jazz. Aber der Abstecher zu den schon ziemlich depressiven Songs von Tom Waits ist für ihn kein Stilbruch, sondern eine Herzenssache. Sterzel hat nämlich das Kunststück fertig gebracht, zu den Texten von Rüdiger Frank Kompositionen zu schreiben, die so klingen, als hätte sie der Meister (Waits) selbst verfasst.
Und da kommt eben, quasi durch die Hintertür, dann doch der Jazz ins Spiel. Denn zum einen liefert das Trio in den ansonsten durchkomponierten Titeln immer mal wieder kleine improvisatorische Einlagen, zum andere gibt es neben eigenen Titeln auch Jazzstandards im Programm. So wird der Sterzel-Titel „Harlem Blues" einfach in das unverwüstliche „St. James Infirmary" (Jahrgang 1928) überführt und siehe da: Es passt alles hervorragend zusammen.
Für Leute mit Liebeskummer ist ein solcher Abend natürlich nicht zu empfehlen, denn in den meisten Songs geht es darum, dass die Frau weg, die Sehnsucht aber noch da ist; Oder es wird die Stimmung thematisiert, wenn man nachts um drei einsam dem Morgengrauen entgegentrinkt. Für die Freunde großer Stimmen und intelligent-einfühl-samer Interpretationen von bluesigen Titeln aber kann ein solches Konzert eine wahre Labsal sein. Und so geriet das Publikum im „Birdland" im Laufe des Abends immer mehr ins kollektive Schweigen:Tom Waits ist nun auch in Ettlingen angekommen.
Heinz Klusch

Ludwigsburger Kreiszeitung 16.03.2005

 

Operettenprinz walzt mit Mathilda

Rüdiger Frank singt Tom Waits, als wär er Tom Waits

Asperg Angekündigt war der Auftritt von „Romeo is bleeding“ im Glasperlenspiel als Konzert für „Jazzfreunde und Außenseiter, Liebeskranke, Alkoholiker, Träumer, wahre Helden und Verlierer“. Das klang nach einsamem Wolf, der nach einem letzten Drink in den Sonnenuntergang trabt. Und so war es auch – auf den ersten Blick.

„Everything is cool – but Romeo is bleeding“ stimmte Rüdiger Frank eine Cover-Version von Tom Waits an. Der hat mit seinen jazzigen Einspielungen ja den Soundtrack geliefert für die ganzen Kerle dieser Welt, denen im alkohol- und nikotingeschwängerten Elend ihres Schmerzes nur noch die Gesellschaft „der Nacht und einer alten, mageren Katze“ geblieben ist. Alles ist lässig, doch Romeo leidet und blutet und singt In Asperg mit der Reibeisen-Stimme von rüdiger Frank, der auf einem Barhocker platz nahm und von den grundsätzlichen Dingen im Leben erzählte: von den Tropfen des Sommerregens, die wie Diamanten auf der Windschutzscheibe aussehen und die Waits als „Tears from Heaven“ besungen hat. Von mannhaften letzten Worten wie: „Please call my missus and tell her not to cry.“ Vom Mädchen, das einem in Reno einer ausgespannt hat. Und dass ohne Ehefrau ohnehin alles viel besser ist.

     Frank singt das alles in einer heroischen Gebrochenheit. Man könnte auch sagen:mit viel Tragikomik und ironischem Augenzwinkern. Unterstützt wurde er dabei von den mal leisen, mal ruppigen Läufen von Jazzpianist Uwe Leiber und dem entschlossenen Bass von Wolfgang Mörike. Den treibenden Pulsschlag hauchte Schlagzeuger und Kulturamtsleiter Alexander Sterzel den Stücken um Verrat und Einsamkeit ein.

     „Ich bin ein gottverdammter Balladenfuzzi“, bekannte Frank, dessen heisere Stimme der von Waits stellenweise fast erschreckend ähnlich war. Er blickte dabei mit der Abscheu dessen, der seine Lebenslüge nicht aufrecht erhalten kann. Und sang im tieftraurigen „Miss you“ von Alexander Sterzel die berühmten drei Worte: „I love you.“ Das war unvermeidlich, auch wenn er vorausgeschickt hatte, er werde sie „so kaputt wie möglich singen“.

     Doch alle Ironie war hier nur Schultzschild. In der Pause erzählte der Sänger und Schauspieler Rüdiger Frank gut gelaunt, geschliffen und ohne „Yeah!“ und „You know?“ von seinen Engagements: Jenseits von Liebe und Suff des Romeo-is-bleeding-Programms steht er als Prinz Orlowsky in der Strauß-Operette „Die Fledermaus“ in Weimar auf der Bühne. Allerdings trägt er in der modernen Inszenierung auch den Waits-Klassiker „Walzing Mathilda“ vor, mit dem er sogar schon für die Rolle vorgesungen hatte. [Susanne Müller-Baji]

 

Fränkische Landeszeitung - 02.06. 2004
Alle Register gezogen


Feuchtwangen (aa) - Einen „mega coolen" Abend mit Rüdiger Frank und der Band „Romeo is bleeding", erlebten jüngst die Freunde des Jazz. Mit Baladen und Blues-Rhythmen von Tom Waits sowie mit eigenen Kompositionen zog der Sänger und Schauspieler nun schon zum dritten Mal sein Publikum in der Kreuzgangstadt in seinen Bann. Ganz den Markenzeichen des exzentrischen Musikers Tom Waits entsprechend - in rauchigen Kneipen mit kratziger Stimme - sang Rüdiger Frank „so kaputt es eben geht" von Leuten mit Liebeskummer und jenen, die nur noch von Mond und Dunkelheit nicht verlassen werden. Sentimentale Texte von streunenden Katzen, von Outsidern, die sich selbst auf einen Drink einladen, und „markerschütternde" Melodien wurden von dem sich selbst als „Balladenfuzzi" bezeichnenden Schauspieler und Musiker Rüdiger Frank hin - und mitreißend dargeboten. Song-Titel wie „Better off without a wife" oder „innocent" sowie bombige Schlagzeugsoli brachten die Stimmung von einem Höhepunkt zum anderen. Mal Rasenmäherstimme - mal soft gehauchtes "„ sweet man like me"": Rüdiger Frank und die Band zogen bei ihrem jüngsten Auftritt in der Kreuzgangstadt wieder alle Register ihres Könnens.

 

Bergsträsser Anzeiger - 06.05.04

Lieder von Verlierern und Verlassenen

Rüdiger Frank begeistert im Theater Sapperlot mit einem stimmgewaltigen Auftritt

 

Lorsch.Wer vom Äußeren auf das Innere schloss, der hatte schlechte Karten beim Kulturcafé im Sapperlottheater. Da kam ein Mann von 130 Zentimetern Körpergröße, ein wenig hinkend und zartgliedrig. Dieser Mensch klettert auf einen Barhocker, biegt sich das Mikrofon zurecht und gibt seinen Musikern ein Zeichen. Die beginnen leise auf dem Piano (Holger Götz) und auf dem Schlagzeug (Alexander Sterzel) und dann erhebt dieser Mensch seine Stimme. Die ist so gewaltig, dass das Publikum erstaunt aufhorcht. Da singt ein Energiebündel mit einer Stimme, die man ihm nicht zugetraut hätte.

Das zarte "Dankeschön", das er nach jedem Song seinem applaudierenden Publikum lächelnd zuhaucht, passt da schon eher zu ihm. Da röhrt und krächzt es, da vibrieren die Stimmbänder, da werden die Töne mit letzter Kraft aus dem Körper gepresst, ins Mikrofon gebrüllt oder manchmal auch gehaucht, da zittert der Sänger, beschreibt die Texte mit seinen langen Fingern, geht runter bis zum zweiten Bass und lässt die Zuhörer dennoch die Texte recht gut verstehen.

Hintergrundinformationen werden immer mitgeliefert. Das ist Rüdiger Frank, ein "Balladen-Fuzzy", wie er sich selbst nennt, ein Musiker, Sänger und Schauspieler, der schon in Heppenheim den Narren in Shakespeares "Was ihr wollt" gespielt hat. Er hat sich die amerikanische Jazzlegende Tom Waits zum Vorbild genommen und singt und spielt seit etwa fünf Jahren gemeinsam in seiner Band "Romeo is bleeding", dessen Songs. Zunehmend spielt die Gruppe aber auch Eigenkompositionen.............

........War das Publikum anfangs noch leicht verhalten mit seinem Beifall, so steigerte sich der Applaus von Lied zu Lied.......

.....Die zerplatzenden Regentropfen auf nächtlicher Windschutzscheibe (Diamonds on my windshield) untermalte Drummer Alexander Sterzel mit einem Solo, das sich zu einem auf- und abschwellenden Orkan mauserte. Aber auch Holger Götz zeigte, dass er ein Könner am Piano ist......Mit dem Song auf die eigene Band "Romeo is bleeding" verabschiedeten sich die Musiker.

Man kann nur hoffen, dass "Romeo is bleeding" noch einmal in Lorsch auftreten wird. (Norbert Weinbach)

 

 

Ludwigsburger Kreiszeitung - 08.03.04

Ein unnachahmliches Vorbild

"Romeo is bleeding" singt Tom Waits in der Tammer Kelter

Eines gleich vorneweg: Es ist eigentlich unmöglich die Musik von Tom Waits nachzuspielen. Seine Songs sind untrennbar mit seiner gurgelnden, grollenden, rauchig-röchelnden Stimme verbunden. "Ich will kein zweiter Waits sein", sagt deshalb auch Rüdiger Frank, Sänger und Mitbegründer von "Romeo is bleeding".

Trotzdem wagt Frank das eigentlich Unmögliche und singt Stücke von Tom Waits. Seine Band hat sich vor allem der frühen Phase des US-amerikanischen Songpoeten verschrieben, Stücke aus den Alben "Closing Time", "The Heart of Saturday Night" oder "Nighthawks at the Diner". Die Band meistert dieses Wagnis in weiten Teilen des Abends mühelos: Wolfgang Mörikes Walking-Bass klingt schmierig-swingend genug um authentisch zu sein. Holger Götz am Piano achtet hörbar darauf, sein Spiel nicht zu akademisch wirken zu lassen und trifft den dreckigen Stride-Piano-Ton von Waits gut. Auch Gastgeber und Kulturamtsleiter Alexander Sterzel frönt seiner heimlichen Leidenschaft, dem Schlagzeug, mit überzeugendem Groove und legt ein solides Fundament unter die Stücke.

.......Immer wenn Frank aus dem Schatten des übermächtigen Vorbilds tritt - etwa bei den Ansagen oder den Eigenkompositionen- zeigt die Band, dass sie auch das Zeug zur Eigenständigkeit hat und das Publikum unterhalten kann, ohne auf der Bühne allzu bemüht den Waits geben zu müssen. Frank ist ein charismatischer Frontmann mit Esprit und Ausstrahlung. Das die Band auch ohne Waits-Coverversionen funktioniert. merkt man immer dann, wenn Frank redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Zum Beispiel bei seinen Ausführungen über den Single als solchen, der "Liebe an und für sich praktiziert". Oder bei den eigenen Stücken der Band, die sich stark am Waits'schen Sound orientieren. Bei "Miss you" oder "Rain" entkommt Frank dem unnachahmlichen Vorbild und lässt seiner Stimme die nötige Individualität..... (Markus Klohr)

 

Stuttgarter Zeitung – 14.02.03

Rüdiger Frank im Merlin

........Der Name seiner Gruppe ist Programm: Romeo is bleeding, eine Zeile von Tom Waits. In dessen Geist schreit Frank die Verzweiflung aller Gescheiterten aus sich heraus, und zwar im Sinne des Vorbilds in ungeheuer poetischer Form. Der Sänger und Schauspieler hat ebenso wie sein Schlagzeuger Alexander Sterzel zusätzlich Songs geschrieben, die allesamt als Frühwerke von Waits durchgehen könnten.

So sehr die Vorstellung von Rüdiger Frank und der ihn umgebenen Jazzmusiker beeindruckt, so sehr gerät das Ansehen der Kompositionen von Tom Waits an diesem Abend ins Zwielicht. Denn der hat unüberhörbar geklaut wie ein Rabe bei Kollegen wie Bob Dylan und Leonhard Cohen – oder umgekehrt. Der Reiz liegt also nicht so sehr in der Originalität der Tonfolgen, sondern im Stil des Auftritts, mit dem der Mann von seinem Barhocker herunter den Saal ausfüllt. Es ist zweifellos die Stimme von Tom Waits, die da heiser zu hören ist, in eigenständiger Interpretation, ohne Anflug von Parodie.  (bwk)

 

 

Ludwigsburger Kreiszeitung vom 27. Februar 2002

Nur Helden und Verlierer

"Romeo is Bleeding": Rüdiger Frank singt Tom Waits

Kleiner Mann mit großer Stimme-Rüdiger Frank begeistert sein Publikum.

ASPERG: Es waren Lieder voller Poesie. Lieder von Träumern, Helden und Verlierern. Zu den Gewinnern gehörten sicher die Interpreten und vor allem das Publikum. Es wurde ein überragender Abend.

Vor allem der kleine Mann auf der Bühne kam ganz groß heraus. Mit seiner rauchigen, kräftigen Stimme zeigte der körperbehinderte Sänger und Schauspieler Rüdiger Frank, was in ihm steckt.

Voller Tiefe, Melancholie und voller Erdigkeit lässt er den Blues zu dem werden, was er sein soll: gesungene Wirklichkeit. Lebendigkeit des Gefühls, materialisierte Hoffnungslosigkeit. Denn es sind die Geschichten der Gescheiterten, der Desillusionierten, der Außenseiter, Liebes- und Alkoholkranken, und vor allem der Lebenskranken, die Tom Waits, dieser "Charles Bukowski des Rock", in Szene gesetzt hat.

Dieser Gefühlswelt schließen sich Rüdiger Frank und auch Alexander Sterzel, Komponist und Schlagzeuger, in ihren Songs an. Damit schaffen sie eigene, unverwechselbar Individuelle Wege der Annäherung. Zwar sind es vor allem Beziehungsgeschichten, die aber mehr enthalten als das von Rüdiger Frank flapsig in den Raum geworfene " ja ba da ba dang, es dauert schon viel zu lang". Es ist das emotionale in ihrer Musik, in dem sie sich ihrem Vorbild nähern, worin sie auch ihr Publikum fassen, das fasziniert diesen Klängen von balladeskem Blues und poetisiertem Jazz zuhört.

Neben Rüdiger Frank, dem Sänger, sind noch Holger Götz am Piano, Klaus Schulze am Bass und Alexander Sterzel am Schlagzeug, die ihre Zuhörer wahrlich begeistern konnten. Waren es anfangs Klänge, die einer gediegenen Clubatmosphäre würdig waren, änderte sich das schlagartig, nachdem Rüdiger Frank seinen Platz einnahm. Jetzt begannen die "Streifzüge durch die Nacht".

Rauchige Stimme, melancholischer Touch, Regentropfen die ans Autofenster prasseln, wie "Diamonds on my Windshield". Selbst das gefühlvolle " I miss you" von Alexander Sterzel passte in diese "Underdog-Atmosphäre", da diese Romantik nicht ins Kitschige, sondern ins Wahre abgleitet und dort in ihrer Unerfülltheit nicht anders als traurig sein kann.

Das kam beim Publikum immer wieder gut an, das mit viel Beifall dem "Stormy Monday" begegnete oder der "San Diego Serenade". Die vertonten Geschichten erzählten von "Verführung" (Tempation), von einer Liebesnacht in einem "Old 55", das damit zum automobilistischen Kultobjekt aufstieg, mit dem sich träumerisch in den Morgen hinein fahren lässt.

Doch allzu träumerisch wurde es nie, den dafür sorgte schon die kratzig-raue Stimme des kleinen Sängers, der immer wieder für Brüche sorgte, bis hin zum "Grande Finale" mit Blues, erdig, saftig und natürlich traurig. [ Wilhelm Baumgärtner]

 

Fränkische Landeszeitung vom 1. Juli 2002

Kreuzgangspiele extra: Konzert-Abstecher nach Ansbach

Von Liebe und Suff

Rüdiger Frank und ,,Romeo is bleeding" mit Waits-Songs

Die Stimme für Tom-Waits-Sorgs: Rüdiger Frank. Foto: Grossmann

ANSBACH Zum Einstand erst einmal lockere Barmusik auf der Kammerspiel-Bühne. Die drei Musiker von „Romeo is bleeding"' stimmen ihr Publikum auf Relaxing ein:

Alexander Sterzel am Schlagzeug, Holger Götz am Klavier und Wolfgang Mörike (statt des angekündigten Klaus Schulze) am Bass. Doch dann betritt Rüdiger Frank die Szene. Kleinwüchsig, verbuckelt, hinkend. Er klettert auf seinen Hocker; ergreift das Mikrophon, haucht ein Right" hinein. Schon sprühen die Funken, die Show kann beginnen.

Eineinhalb Stunden die Welt von Tom Waits in Ansbach. Balladen und Lieder über die Liebe und das Leben. die Frauen, die Autos und den Suff. Geschichten von den Verlierern des ,,american dream" von ewigem Glück und Wohlstand. Rüdiger Frank, Sänger und Schauspieler; singt siesich aus seinem Leib, als hätte er sie selbst erfahren: ,, Everything is cool, but Romen is bleeding", heißt es in seinem ersten Song. Wie wahr. Und schon rieselt es Applaus.

Lust und Qual

Eineinhalb Stunden hält Frank sein Publikum, die Tom-Waits-Gemeinde, in Atem, erzählt Geschichten und Anekdoten um die Entstehung der Lieder; die von Waits, von Rüdiger Frank selbst oder von Alexander Sterzel stammen: Eigen-kompositionen auf den Spuren der großen Kultfigur des amerikanischen Under- ground-Rocks, die das Vorbild nicht immer erreichen. Dafür hat Sterzels „ I miss you" ein wundersam melodisches Klavier-Solo.

Rüdiger Frank keucht, krächzt, heult, flüstert, schreit, singt. Er würgt sich den Waits aus der Kehle,als hätte er mit ihm selbst zuvor einige Flaschen Whiskey gekillt. Zappelt mit den Beinen den Rhythmus mit, dirigiert mit den Händen in der Luft die Band im Hintergrund. Es ist Qual und Lust zugleich, ihm zuzusehen.

Manchmal fällt es schwerer, die Worte zu verstehen, weil der englische Text nicht immer klar artikuliert herüberkommt. Aber viel gibt es auch nicht zu begreifen, denn Rüdiger Frank singt von Mensch zu Mensch: ,,Ihr kennt das j"', sagt er mittendrinnen, und wer kennt es nicht: Liebesleid und Katerfrust, einsame Mondscheinnächte mit leerer Flasche und ohne die Frau der Träume, Nächte, in denen nur die Eigenliebe das Selbstmitleid überwinden kann.

Rüdiger Frank trifft jeden Waits-Rhythmus, ob den Walzer in „Innocent when you dream" oder den rasanten Cha-Cha-Cha von ,,Temptation". Und je mehr die Zeit verstreicht, desto authentischer wird Frank, der die Idealbesetzung für dieses Waits-Special ist, gedacht für all die hungrigen Seelen, die Laster und Härten dieser Welt fühlen möchten, live. Dazwischen eingestreut sind Klassiker des Jazz, etwa von Louis Armstrong oder; als Zugabe zum Schluss, Fats Waller.

Songs für hungrige Seelen

Um elf Uhr ist der Abend eigentlich vorbei, aber Rüdiger Frank, der Narr aus Shakespeares ,,Was ihr wollt" der letzten Kreuzgangsspiele, macht weiter; herausgeklatscht durch die Zuhörer.

Beim Tom-Waits-Renner ,,In the neighbourhood" singen einige endlich selbst mit und wissen: es könnte noch stundenlang so weiter gehen. (Angelika Leitzke)

 

Fränkische Landeszeitung 27. Juni 2001

Rüdiger Frank zog mit Liedern von Tom Waits und Eigenkompositionen das Publikum in seinen Bann

Ein Schicksalschlag in positivem Sinne

Passion für einen Außenseiter -Der " musizierende Schauspieler " füllte Raum mit traurig-schöner Wärme

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FEUCHTWANGEN (dz)- Ein musikalisches Spektakel der besonderen Art fand auf der Kleinbühne im Irish Pup statt. Rüdiger Frank sang Eigenes und Lieder von Tom Waits.Das Publikum war begeistert und verlangte Zugaben.

Mit dem Song "Romeo is bleeding" eröffneten die vier Musiker den Abend. Von Beginn an zog Rüdiger Frank das Publikum in seinen Bann. Er sang mit vollem Körpereinsatz, lebte die gesungenen Texte mit Gestik und Mimik. Seine rauhe Stimme und die Bandmitglieder, die hervorragend miteinander harmonierten, ließen die Zuhörer schier vergessen, dass es nicht Tom Waits war, der hier sang. Und auch im Publikum gab es viele, die sich den melancholischen Liedern voller Inbrunst anschlossen.

Die Bühne, auf der das Konzert stattfand, bot das ideale Ambiente für diesen Abend. Rüdiger Franks Stimme füllte den Raum mit einer traurig-schönen Wärme, die jeden erfasste. Überall wurde zu Liedern wie "Rosie", "Temptation" oder "500 Miles" begeistert mitgeschnippt oder -geklatscht. Jubel und Beifall ernteten die Eigenkompositionen wie "Darkness, Dear Ol´Friend" oder "Harlem Blues".

Das Repertoire der vier Musiker umfaßte hauptsächlich Songs aus der Frühphase Tom Waits, Rüdiger Frank, der sich selbst einen "musizierenden Schauspieler" nennt, zitierte auf die Frage nach der Stimmung der vorgetragenen Lieder, William Shakespeare mit dem Wort "dunkelsinning". Franks Passion für diesen Barden begann, als er vor Jahren eines von dessen Alben bekam. "Menschen passieren Schicksalsschläge, mir passierte Tom Waits, im positiven Sinne", sagte Rüdiger Frank. "He is outstanding. "Kleinkunst in solch angenehmer Umgebung, sollte es öfter geben", war von vielen der Anwesenden zu hören- und: "Klasse statt Masse".

 

Langenau aktuell  31. Januar 2002

Neue Ansichten über das Leben

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Der Schauspieler und Sänger Rüdiger Frank zusammen mit "Romeo is bleeding" trug im Pfleghofsaal Songs im Stile und von Tom Waits vor.

Langenau- Von Anfang an zog Rüdiger Frank sein Publikum voll in seinen Bann. Er sang die melancholischen, traurigen Stücke eines frühem Tom Waits nicht einfach, nein er lebte und litt die Geschichten um Liebe, Trauer und Leid.

Begonnen hatte er den Abend mit dem Song "Romeo is bleeding". Schnell merkte man dann, dass Rüdiger Frank nicht nur klingt wie Tom Waits, sondern dass er weit mehr ist als dieser. Frank hatte seine eigene, humorvolle Art und Weise gefunden, mit den schwermütigen Texten umzugehen, hatte sich geschworen, die bedeutungslos gewordenen Worte " I love you" nie, oder nur "so kaputt wie möglich" zu singen. Mit Songs wie "Rosie", "Shiver me timbers" und den Eigenkompositionen "Darkness, dear ol´friend" oder "Harlem Blues" war es Frank ein Leichtes, die Zuhörer zu begeistern, die sich teilweise voller Inbrunst im Takt wogen und zu spüren schienen, wie die rauhe Stimme von Rüdiger Frank sie umschloss. In dieser beschaulichen Runde fanden die Hände Einiger nicht nur zum klatschen zusammen.

Schließlich, nach einigen Zugaben, traten die vier perfekt aufeinander abgestimmten Musiker von der Bühne und hinterließen bei dem begeisterten Publikum sicher einen bleibenden Eindruck und neue Ansichten des Lebens.

(Jens Weyhreter)

 

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Rüdiger Frank

Sieht die Welt aus 1,30 Meter Höhe

März 1999

Rüdiger Frank steuert einen kleinen Tisch am Fenster an, legt Lederjacke und Schal ab, geht zum Zigarettenautomaten, holt sich eine Schachtel Zigaretten und wird dabei von allen beobachtet. Neugierig, mitleidsvoll, verächtlich. Gespräche sind verstummt, beginnen erst wieder im Tuschelton und mit zusammengesteckten Köpfen, als der neue Gast Platz genommen und sich eine Tasse grünen Tee mit Zitrone bestellt hat. Denn der 31jährige hat zwar den Kopf eines Mannes, ist mit seinen 1,30 Metern aber nur so groß wie ein Schuljunge.

Als Jugendlicher hat er sich oft lausig gefühlt. Die heiße Liebe und all’ so schöne Sachen sind an mir vorbeigegangen. Ich habe versucht, auf andere Weise zu leben, habe viel Gitarre gespielt, mich mit Dingen beschäftigt, die mehr mit inneren Werten zu tun haben", erzählt der Markgröninger von der Zeit, in der er elendig-klein" war. Sein Selbstbild änderte sich, nachdem er mit seiner Rockband Tors of Dartmoor die ersten Platten eingespielt und erfolgreiche Konzerte gegeben hatte.Auf der Bühne starren sie ja auch alle auf dich so habe ich mich einfach mit dem konfrontiert, vor dem ich bisher Angst hatte. Das half", meint der junge Mann, der sich mittlerweile in der Kulturszene einen Namen gemacht hat. Er ist nicht nur als Sänger und Songwriter gefragt, sondern auch als Performance-Künstler und Schauspieler. In der Oper "Der ungestaltete Mißgestalte" war er lange Zeit auf Bühnen in ganz Baden-Württemberg der Teufel, in dem Sozialdrama "Kein Platz für Idioten" spielt er die schwachsinnige Hauptfigur. "Susanne Heydenreich hat mich vom Fleck weg dafür engagiert", erzählt der 31jährige nicht ohne Stolz über das erste Treffen mit der Regisseurin und Intendantin des Stuttgarter Theaters der Altstadt im Westen.Ignoranz, Verachtung, die totale Isolation das sind Dinge, die ich kenne, aber in so extremer Form wie der Bastian im Theaterstück bisher nicht erlebt habe. Ich hatte das Glück, im Privaten immer die richtigen Leute zu treffen", distanziert sich Rüdiger Frank vom Schicksal des behinderten Jungen auf der Bühne.Der häßliche Zwerg mag mir ähneln, aber ich bin nicht er. Ich versuche nur, ihn so glaubwürdig wie möglich darzustellen. Mit der gleichen Intention würde ich aber auch einen Don Juan oder Romeo spielen", ist sich der Lebenskünstler sicher, der derzeit mit seiner Band an der siebten Platte arbeitet.Das ganze Leben ist Theater: Manchmal bietet es ein ziemlich gutes Stück, manchmal ein schlechtes. Das ist doch bei allen so", meint er. So verbinde ihn beispielsweise viel mit Claudia Schiffer:Bei uns schaut jeder auf die Fassade. Sie hat das Image der ewig Schönen, ich bin und bleibe das Biest. Wollen wir zeigen, was wirklich in uns steckt, müssen wir mehr geben als diejenigen, die sich für normal halten", erklärt Rüdiger Frank seine Leistungen und Erfolge. Somit könne er durchaus Vorteile in seiner Kleinwüchsigkeit sehen. Ansonsten bin ich gar nicht so anders als die anderen", sagt er: "Ich sehe die Welt nur aus einem anderenBlickwinkel." / Sabine Hiller"